Exkursion ins KZ nach Struthof

Am 5. Februar diesen Jahres stand für die Jahrgangsstufe neun des Gymnasiums eine Exkursion der besonderen Art an. Als diese am Morgen aufbrachen, hätte wohl niemand mit dem bitteren Beigeschmack des Ausflugs gerechnet.

Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt hielt der Busfahrer am Bahnhof von Rothau. Dieser Bahnhof war deshalb von Bedeutung, weil an ihm damals die Gefangenen, ausgehungert, bewegungsstarr und verängstigt ankamen. Der Spaziergang um das Bahnhofsgebäude fühlte sich wie eine Zeitreise an, als wären die Geschehnisse nicht 80 Jahre, sondern nur ein paar Monate her. Dass ein Zug des SCNF hielt und jemand ausstieg, fühlte sich surreal an. Wie man den Schautafeln entnehmen konnte, wurden die Gefangenen damals aus den Viehwagons geprügelt und das, obwohl sie nicht mal im Stande waren, anständig zu gehen. Sie hatten auch Teile der Straße bauen müssen, die wir später entlangfuhren. Wir verließen den Bahnhof und eine halbe Stunde später erreichten wir endlich den Parkplatz etwas unterhalb der Gaskammer und etwa zehn Minuten vom Lager entfernt. Da die Gaskammer noch nicht geöffnet hatte, war unser zweites Ziel das Lager auf dem Berg. Einige Schülerinnen und Schüler hatten sich bereit erklärt, Mini-Präsentationen  vor Ort über verschiedene Themen zu halten. Wir liefen also von Station zu Station und an jeder hatten wir Experten, die sich darüber informiert hatten.


Der erste Stopp war das Haus des Kommandanten, in welchem er und seine Familie gewohnt hatten. Zu gerne wären wir hineingegangen, um mit eigenen Augen den Kontrast zu begutachten, der damals bestand. Nach einer ausgiebigen Vesperpause stand der Hauptteil an, nämlich die Besichtigung des Lagers selbst. Der Eingang selbst sah schon zum Fürchten aus: Ein doppelwandiges Holztor, welches von oben bis unten mit Stacheldraht übersät war und auch die vielen Wachtürme, die mit großen Scheinwerfern versehen, überall verteilt am Zaun standen, verursachten ein mulmiges Gefühl und wir alle waren heilfroh, diesen Ort als Besucher im 21. Jahrhundert zu besuchen und nicht als Gefangene. Die darauffolgenden Orte, die wir besichtigten, unter anderem einen Galgen zur öffentlichen Hinrichtung, das Krematorium und die

Gefangenenkammern sowie eines der Gebäude, das ursprünglich für die Gefangenen zum Schlafen und zum Schutz vor dem Wetter diente. In dem selben Gebäude war ein Mini-Museum, in welchem Unterlagen, alte Belege und Briefe von Zeitzeugen sowie damalige Verhältnisse und Fotos ausgestellt waren. Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Inhalt des Gebäudes befasste, bemerkte schnell wie sehr das alles unter die Haut geht. Während es manche fast schon kalt gelassen hat, gab es doch einige, die den Tränen nahe waren. Später liefen wir zur Gaskammer, die ursprünglich ein Festsaal des Hotels gewesen war und besichtigten diese. Voll stiller Nachdenklichkeit verließen wir das Gelände, welches so vielen Menschen

unbeschreiblich viel Leid gebracht hatte. Diese Exkursion hat uns so viel mehr gelehrt, als die Zahlen und Fakten im Geschichtsbuch. Sie hat uns ein Bewusstsein dafür gegeben, wie wichtig es ist, die Menschlichkeit und einen respektvollen Umgang zu wahren, und von welcher großen Bedeutung es ist, dieses dunkle Kapitel in der Menschheitsgeschichte nicht verblassen zu lassen, sondern dafür zu sorgen, dass es nie mehr, mehr sein wird als Geschichte und nie wieder zu Realität wird. Im Alltag gehen genau solche Dinge unter und wir versuchen zu vergessen, aber letztendlich ist es wichtig, daran zu erinnern, denn es wird nie genügend

Entschuldigungen für die Massenvernichtung durch die Deutschen geben. Kaum einem ist bewusst, dass die Zeit des Nationalsozialismus noch nicht einmal 100 Jahre her ist. Es sind Bilder, die sich in das Bewusstsein einbrennen, Bilder, die man vergessen will und Bilder, die uns doch eine Verantwortung auferlegen.

verfasst von Lisbeth Trefzer