Autorenlesung mit Jakob Springfeld: Mut und Haltung gegen Rechts
Am Donnerstagvormittag, den 26. Februar 2026, fand im Bürgersaal Schönau eine besondere Autorenlesung für Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Schönau sowie der Gemeinschaftsschule Oberes Wiesental statt. Zu Gast war der junge Aktvist und Buchautor Jakob Springfeld, der sein Werk „Unter Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen Rechts“ vorstellte. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Helferkreis Oberes Wiesental. Dessen Vertreterin Carolina Bruck-Santos begrüßte die Anwesenden herzlich und hob das vielfältige Engagement des Autors für Demokratie, Klimaschutz und den Kampf gegen Rechtsextremismus hervor. Für seinen Einsatz wurde Springfeld 2024 mit dem Stromrebellenpreis der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) ausgezeichnet.
Bereits zu Beginn der Lesung überzeugte der Autor durch seine offene und authentische Art, mit der er das junge Publikum sofort in seinen Bann zog. Eindrücklich nahm er die Zuhörenden mit in seine Heimatstadt Zwickau – eine Stadt, die durch den Terror des sogenannten „NaPonalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) traurige Bekanntheit erlangt hat. Dort wuchs Springfeld auf, anfänglich ohne das Ausmaß der rechtsextremen Strukturen in seiner Umgebung zu erkennen. Erst persönliche Begegnungen und Freundschaften – insbesondere mit Menschen wie Mustafa, die selbst Rassismus erfahren mussten – öffneten ihm die Augen für die tief verwurzelten Vorurteile und den Hass in seiner Heimat. Diese Erfahrungen prägten sein Engagement nachhaltig.
In seinen Schilderungen machte Springfeld deutlich, dass Drohungen, Anfeindungen und Einschüchterungen zu seinem Alltag gehörten – und ihm dennoch den Mut gaben, Haltung zu bewahren und sich weiterhin gegen rechtsradikale Tendenzen zu positioonieren. Er betonte, dass Rechtsextremismus kein ausschließlich ostdeutsches Problem sei, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die überall entschlossenes Handeln erfordere. Besonders eindrucksvoll war seine Auseinandersetzung mit der Geschichte des NSU, dessen Kerntrio jahrelang unentdeckt in seiner Heimatstadt lebte – eine Erkenntnis, die viele Zuhörerinnen und Zuhörer zugleich erschütterte und wachrüttelte.
Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde, in der zahlreiche Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken und Fragen teilten. Themen wie Zivilcourage, politische Bildung und individuelle Verantwortung standen dabei im Mittelpunkt. Viele Jugendliche wollten vom Autor wissen, wie sie selbst im Schulalltag aktiv gegen Ausgrenzung und Diskriminierung vorgehen können – etwa durch eigene Projekte oder Initiativen. Die große Beteiligung zeigte, dass Springfelds Botschaft nachwirkte und das Publikum zum Nachdenken anregte.
Nach der Veranstaltung bot sich die Möglichkeit, Bücher zu erwerben, signieren zu lassen und persönlich mit dem Autor ins Gespräch zu kommen – ein Angebot, das viele gerne annahmen.
Die Veranstaltung in Schönau war weit mehr als eine reine Buchvorstellung. Sie wurde zu einem eindrucksvollen Appell für Mut, Zivilcourage und demokratisches Engagement. Die Lesung machte deutlich, wie wichtig es ist, zuzuhören, Fragen zu stellen und Haltung zu zeigen – gerade in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt und Menschlichkeit auf die Probe gestellt werden. Am Abend fand eine weitere öffentliche Lesung in der EWS-Kulturhalle statt, bevor Springfeld seine Lesereise am folgenden Tag in Rheinfelden fortsetzte.